Krimi für Klavier-Enthusiasten: "Der verlorene Klang" von Perri Knize

Wer sich je auf die Suche nach seinem Traumklaiver oder -flügel gemacht hat, steht unweigerlich vor der Frage nach dem gewünschten Klang: Welches Instrument klingt am schönsten - und was genau ist es, das einen bei dem einen Instrument anspricht und bei einem anderen überhaupt nicht? Was ist das überhaupt - "schöner" Klang? Und lässt sich ein persönliches Klangideal aus jedem Instrument mit der Hilfe eines guten Klaviertechnikers "herauskitzeln"?

 

Die US-Journalistin und Hobby-Pianistin Perri Knize hat sich zu Beginn ihres Klavierkaufs genau diese Fragen auch gestellt. Nach langer, intensiver Suche findet sie endlich ihren Traumflügel, der sie beim Probespielen mit seinem ganz individuellen Klang unglaublich gefangen nimmt, weil er etwas tief in ihrer Seele zum Klingen bringt. Doch als der sehnsüchtig erwartete Flügel endlich in ihrem Wohnzimmer steht, hat er aus unerklärlichen Gründen seinen besonderen Klang verloren, und kein Klavierstimmer scheint in der Lage, ihn wieder hervorzuholen.

 

In ihrem fesselnden Reportage-Roman "Der verlorene Klang" (dtv - leider nur noch gebraucht erhältlich) begibt sich Journalistin Knize auf eine Recherchereise in eigener Sache. Sie forscht nach den Ursachen für den Klangverlust, spricht mit unzähligen Klavier-Experten und erzählt von deren Versuchen, den Klang wieder so hinzubekommen, wie sie ihn seit dem Probespielen im Ohr hat. Ihre Reise auf den Spuren des Klangs dauert mehrere Jahre und führt sie schließlich bis nach Deutschland: zum Hersteller Grotrian-Steinweg, zum Resonanzbodenbauer Strunz und ins Geigenbauer-Mekka Mittenwald.

 

Für Klavier-Enthusiasten liest sich die Geschichte spannend wie ein Krimi. Man leidet mit Perri, als sie enttäuscht feststellen muss, dass ihr Flügel zu Hause nicht mehr derselbe zu sein scheint wie noch im Klavierhaus. Man fiebert mit ihr bei jedem neuen Termin mit einem der diversen Klaviertechniker mit und freut sich mit ihr über jeden Fortschritt, jede neue Erkenntnis - und erfährt dabei klaviertechnische Details, die man am liebsten gleich am eigenen Instrument ausprobieren würde.

 

Knize lässt den Leser teilhaben an ihren Versuchen, das Phänomen Klang zu ergründen. Sie erforscht, wie Klang entsteht, wie das menschliche Ohr ihn wahrnimmt, wie er auf Körper und Psyche wirken kann und was es dabei mit den richtigen Schwingungen auf sich hat. Knize nimmt den Leser mit in die Klavierwerkstätten und lässt sich dort die Handwerkskunst des Klavierbaus zeigen. Sie versucht zu ergründen, welche Rolle das richtige Tonholz und die richtigte Simmung spielen und wie man die Hämmer bearbeiten muss, um den Klang zu beeinflussen.

 

All diese Fragen haben sich sicherlich unzählige Klavierliebhaber - ob Profi oder Amateur - auch schon gestellt; insbesondere, wenn es ganz konkret um das eigene Instrument oder eigene Klangvorlieben ging. Perris Erkenntnisse mögen dabei für Fachleute vielleicht nicht alle neu sein. Doch die Beleuchtung der Fragen aus unterschiedlichen Perspektiven - Naturwissenschaft und Psychologie ebenso wie dem Klavierhandwerk - in einem  Buch und obendrein eingebettet in die ganz persönliche Geschichte der Autorin - das ist einzigartig und mitreißend.

 

Obendrein hat Knize nicht nur ein ausgezeichnetes Gehör, sondern auch die Gabe, ihre Klangwahrnehmung sehr anschaulich zu beschreiben. Nach der Lektüre hört man garantiert genauer hin, wenn man selbst am Klavier sitzt. Und wer gerade selbst auf der Suche nach einem geeigneten Instrument ist, weiß anschließend definitiv besser, worauf er beim Klang achten kann.

 

 

 

 


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